Was ist eigentlich Schattenarbeit?

Das findest Du in diesem Blogartikel

Was ist der menschliche Schatten?

Es ist Winter 2004. Im Seminarraum ist es mollig warm. Der Holzofen knistert vor sich hin. Es riecht würzig nach verbranntem Holz und Salbei.

 

Nach dem Mittagessen ist es still geowrden. Wir sitzen wieder im Kreis und es ist Zeit unsere Geschichten zu erzählen. Vor der Mittagspause hatte jede von uns eine Natur-Aufgabe mitbekommen. Wir sollten etwas mitbringen, dass repräsentiert wo wir gerade stehen.

 

Die Aufgabe ist mir sehr schwer gefallen. Dabei wollte ich unbedingt etwas ganz besonderes finden. Am liebsten eine Rabenfeder oder einen Tierschädel, die zeigen was für eine coole Socke ich bin. Habe ich aber nicht. Nur ein paar Steine.

 

Kati die Seminarleitung schaut uns alle an „Wer fängt an?“ Mein Herz klopft laut. Ich traue mich nicht. Und dann steht Anna auf. „Ist ja klar“, denke ich. „Die muss sich mal wieder präsentieren.“

 

Anna hat einen großen Stab mitgebracht. Aber nicht nur das. In ihren Haaren stecken 3 tiefschwarze Rabenfedern. Sie sieht aus wie eine Kriegerin. Stark und klar, dabei so weiblich. Wenn sie spricht, schaut sie uns alle an. Anna entspricht keiner Norm. Anna ist einfach präsent. Sie ruht in sich. Anna erzählt eine Geschichte tief aus ihrem Bauchraum. Wenn Anna spricht, dann hört der gesamte Raum ihre gebannt zu. Dabei hat Anna nie einen Rhetorikkurs besucht. Anna spricht einfach aus ihrem Herzen.

 

Und während ich Anna anschaue, merke ich wie Neid in mir aufsteigt. Ein Feuerball in meinem Bauch, der durch meinen gesamten Körper wandert. Ich halte es kaum aus und werde wütend. Und rede dann einfach laut mitten in ihre Geschichte: „Ich muss mal, es ist echt dringend. Tolle Geschichte Anne, sorry.“  

 

Die Frauen schauen mich irritiert an Und dann stolpere ich raus. Im Bad kippe ich mir Wasser ins Gesicht. Als ich wieder nach oben komme ist Anna fertig. Manuela steht jetzt in der Mitte. „Gottseidank, musste ich mir dieses dämliche Geschwafel nicht anhören.“ denke ich. „Das geht ja auf keine Kuhhaut, mit diesen albernen Federn im Haar. Die hält sich wohl für was ganz Besonderes.“

 

Der Begriff „Schatten“ geht auf den Psychoanalytiker Carl Gustav Jung zurück. Er sagt, dass „Schatten“ ein Anteil (oder Archetyp) in unserer Persönlichkeit ist, die wir nicht, oder nur eingeschränkt wahrnehmen können oder wollen. Wobei die Grenze zwischen „wollen“ und „können“ nicht immer ganz klar ist.

 

Was heißt das für meine Geschichte: Ich war neidisch auf Anna und konnte es mir aber nicht eingestehen. Ich habe es nicht ausgehalten sie in ihrer weiblichen Wildheit und Schönheit zu sehen. Mein Neid war damals also mein Schatten. Außerdem meine nicht gelebte weilde Weiblichkeit.

 

Verantwortlich dafür, dass wir bestimmte Anteile von uns nicht wahrnehmen können, sind zwei weitere innere Anteile: unser „Ego“ und die „loyale Kriegerin“.

Was ist das Ego?

Das Ego ist wichtig, sollte aber nicht die Oberhand in Deinem inneren Team haben

Das Ego hat in der Regel einen schlechten Ruf. Dabei ist es ein (auch heute noch) wichtiger Anteil Deiner Persönlichkeit, den Du als Kind gebraucht hast, um eine sozial anpassungsfähige Persönlichkeitsstruktur zu bilden. Das Ego ist wichtig, um z. B. Entscheidungen zu treffen, Dich durchzusetzen und Deinen Plan im Leben zu verfolgen.

 

Es gibt also keinen Grund (und auch gar nicht die Möglichkeit) Dein Ego loswerden zu wollen. Allerdings sollte Dein Ego Deiner Seele dienen und nicht die Oberhand in Deinem inneren Team haben. Denn dann läuft Dein Leben immer wieder aus dem Ruder.

 

Das Ego blendet also bestimmte Dinge über Dich aus. Aber warum macht das Ego so etwas? In der Regel blendet das Ego Dinge aus, die nicht besonders schmeichelhaft sind, z.B. Charaktereigenschaften wie Neid, Gier, Parasitentum, Eitelkeit, Egoismus, Aggression, Ungeduld, Feigheit, Bösartigkeit, …

 

Wenn Du also neidisch bist, Dein Ego aber weiß, dass „neidisch sein“ sozial unerwünscht ist, dann bekommt dieses Gefühl das Etikett „böse“, „schlecht“, oder „nicht ich“. So war das auch bei mir. Neid, so hatte ich schon in der Kindheit gelernt, darf nicht gezeigt werden.

Das war nicht gut für mein Wachstum, denn wenn ich mir erlaubt hätte das kurz zu fühlen, dann hätte ich es mit Leichtigkeit transformieren können. Neid ist nämlich ein guter Trigger um zu sehen, was ich in mir noch entwickeln darf.

Sobald Dein Ego aber sagt, dass ein Anteil nicht erwünscht ist, kommt die loyale Kriegerin ins Spiel.

Was ist die loyale Kriegerin?

Deine innere Kriegerin passt auf Dich auf. Aber bei ihr laufen meist noch die alten Programme aus der Kindheit ab.

Die loyale Kriegerin ist ein weiterer, innerer Anteil von Dir. Sie ist Komplizin von Deinem Ego und (unter Anderem) dafür verantwortlich alle unerwünschten Aspekte, die das Ego identifiziert hat und die wir als Kind nicht ausleben durften, in einen „schwarzen Sack“ (unseren Schatten) zu schaufeln.

 

Die loyale Kriegerin ist also eine psychische Rausschmeißerin, die jene Selbstanteile rauswirft, die Dein Ego (das Management) als unanständig identifiziert. Chef*in unseres Egos war in unserer Kindheit unsere unmittelbare Familie und unsere kulturelle/soziale Umgebung (Kindergarten, Schule, Nachbarschaft, …).

 

Sobald das Ego von der Umgebung (z.B. Eltern. Lehrer*innen, ..) zurückgemeldet bekommt, dass Ärger droht, wenn Du etwas machst (z.B. laut und wild sein, oder Grenzen setzen), oder wenn ein unerwünschter Charakterzug (Du bist unternehmungslustig in einer Familie die zurückhaltend ist, oder vertrauensvoll in einer misstrauischen Familie)  entdeckt wird, dann gibt Dein Ego eine Meldung an die loyale Kriegerin und diese beginnt zu schaufeln.

Das heißt ganz konkret, dass Du diese Verhaltensweise dann nicht mehr zeigst. Weil das zu heikel ist. Diese „in den Sack Schaufelei“ war kein Fehler, sondern wichtig für Dich als Kind, um sozial anpassungsfähige Ego- und Persönlichkeitsstrukturen (Deine erste Identität) zu bilden. Als Kind bist Du ja abhängig von den Erwachsenen, musst überleben und willst auch von Gleichaltrigen akzeptiert werden.

 

Warum Deine Eltern oder andere Menschen in Deiner Umgebung Dir mit Ärger drohen, wenn Du bestimme Verhaltensweisen zeigst, die eigentlich gesund sind (z. B. Grenzen zu setzen, wild und lebendig sein, …)? Das hat wiederum etwas mit ihrem Schatten zu tun, der dann getriggert wird.  Vermutlich durften sie – während des Krieges – selten ihre Lebendigkeit zeigen.

Das ist auch der Grund dafür, warum der Krieg Dein Leben heute noch beeinflusst.

 

Wie Du Deinem Schatten auf die Spur kommst

Du erkennst Deinen Schatten daran, dass Dich etwas emotional triggert

Deinen Schatten erkennst Du am besten daran, dass Menschen Dich extrem – negativ oder positiv – emotional triggern. Anna aus meiner Frauengruppe hat mich damals emotional negativ getriggert. So sehr, dass ich wütend wurde und ihre Performance gestört habe.

 

Die meisten Menschen die ich kenne haben Gedanken und Gefühle über „diese blöde, eingebildete Kuh, die sich immer in den sozialen Medien so zur Schau stellen muss“, oder „der Typ, der immer so lahmarschig im Büro herum schlufft.“ Die kalte, unfreundliche Hexe, bei der ich mich nicht wohl fühle, weil die sich, doch tatsächlich traut „Nein“ zu sagen.“ Das sind alles emotional negative Trigger.

 

Nur werden diese Gefühle eben in der Regel schnell vom Ego in den Sack geschaufelt und es wird niemals darüber gesprochen, weil das sozial unerwünscht ist.  Welche vertane Chance für inneres und äußeres Wachstum.

 

Es gibt aber auch emotional positive Trigger, wie Lehrer*innen die für Dich auf einem Podest stehen, als reine, „lichtvolle Wesen“ über allem erhaben, wie Dir scheint. Und dann kommt das große Erwachen, wenn Du bemerkst, dass sie „auch nur Menschen“ mit hellen und dunklen Seiten sind.

 

Natürlich gibt es eingebildete, narzisstische und unfreundliche Menschen. Trotzdem weisen uns Menschen, die uns triggern aber immer darauf hin, dass es da einen Anteil in uns gibt, der noch ein Schattendasein in uns fristet und gerne erlöst werden will. Das heißt nicht, dass Du narzisstisch werden sollst, aber vielleicht kümmerst Du Dich zu wenig um Dich.

Warum sich Schattenarbeit lohnt: einmal bitte meine Leichtigkeit zurück

In Deinem Schatten sind viele nützlich Eigenschaften, zum Beispiel auf Deine Leichtigekeit

Ich werde nicht erleuchtet, indem ich mir Lichtfiguren vorstelle, sondern indem ich mir über das Dunkle in mir bewusstwerde und es ans Licht bringe“ (C.G. Jung)

 

Warum um alles in der Welt mit dem Schatten beschäftigen. Ist das Leben denn nicht schon schwer genug? Viele Menschen in der psycho-spirituellen Szene sagen jedenfalls: schaue ins Licht. Habe positive Gedanken, dann wird alles gut.

 

Ganz ehrlich: hat bei mir nicht funktioniert. Das ist auch gar nicht möglich, denn die Trigger kommen aus dem Unterbewusstsein und hier aus dem Emotional Körper. Das sind ganz alte Programme, die einfach ablaufen und auf die Du bewusst gar keinen Einfluss hast. Das sagt übrigens auch die neueste Forschung.

 

Was aber noch viel wichtiger ist: im Schatten befinden sich alle möglichen nützlichen Eigenschaften, die Du brauchst, um innerlich reif und ganz zu werden. Und nicht nur das: hier findet sich auch Deine Leichtigkeit, Freiheit und vermutlich auch Deine wilde Weiblichkeit. Es ist dann wichtig, mit dem inneren Kind Kontakt aufzunehmen.

 

Ohne diese Anteile bleibt Deine Persönlichkeit unausgeglichen, fragmentiert oder auf andere Weise unvollständig. Wenn Du Deinen Schatten nicht integriert, bleibst Du Sklave Deines Egos, statt Dienerin Deiner Seele. Entsprechend wenig innere Fülle und Tiefe gibt es dann in Deinem Leben.

 

Wenn Du ein wirklich tiefes, seelenvolles Leben willst, dann musst Du in diese dunklen Reiche hinabsteigen, um Deine vergrabenen Anteile zurückfordern. Und stell Dir vor: sie enthalten sogar Schlüsselelemente für Deine Bestimmung hier auf diesem Planeten. Die Unterwelt, oder besser Innenwelt ist ein tief weiblicher Bereich, den es – gerade in dieser Zeit – zurückzufordern gilt. Und auf Deiner Unterweltreise kannst Du einen Schatz heben.

 

Es geht also um nicht mehr und nicht weniger darum, Deine innere Ganzheit zu erlangen und auch jenes Versprechen einzulösen, wegen dem Du hier auf diese Erde gekommen bist.

 

All das braucht Mut, Zeit, Vertrauen und eine Gute Begleitung. Denn das Ego lässt Dich nicht so einfach an den Schattensack. Und Deine innere Kriegerin schreit laut: gefährlich, geht nicht, der Sack bleibt zu! Das innere Kind bleibt dann im Schatten und traut sich nicht raus. Und Dir fehlt die Leichtigkeit.

Warum ist das mit der Schattenarbeit so schwer?

Mit einem Finger auf andere zeigen, heißt mit drei Fingern auf Dich zu zeigen.

Meist scheitert es schon beim Herangehen an die Aufgabe. Niemand (des Ego) will sich gerne eingestehen, dass er/sie z.B. ein Geizkragen ist, oder sich niemals trauen würde sich auf eine Bühne zu stellen, Grenzen zu setzen. Oder – wie in meinem Fall – dass ich einfach neidisch war auf die wilde Weiblichkeit und Präsenz von Anna. Mir das aber eigentlich so sehr wünschte und keinen Zugang dazu hatte.

 

Unsere Selbst- und Fremdwahrnehmung klaffen in der Regel weit auseinander. Außerdem fühlt es sich (für das Ego) häufig erst einmal beschämend an, zu erkennen, dass bei EINEM ausgestrecktem Finger („Die blöde Anna, muss sich immer selbst darstellen“) DREI Finger auf mich zeigen (Z.B: „Ich bin neidisch. Ich traue mich nicht so wild und frei zu sein. Ich habe keinen Zugang zu dieser mysteriösen Weiblichkeit und was ich sehe macht mir Angst.“)

 

Wo und wie kann ich Schattenarbeit machen?

Dein Ego hat in der Regel keinen Bock auf Schattenarbeit und findet eine Millionen Gründe, um der tiefen inneren Arbeit auszuweichen. Deshalb holst Du Dir besser eine gute Begleitung. Denn wir trixen uns hier sehr gerne selbst aus.

 

Buch hier einen unverbindlichen Discovery Call um herauszufinden, ob Schattenarbeit und Peace with your Past, die Methode für mehr Leichtigkeit und Sinn etwas für Dich ist.

 

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